| Barock-Garten So wie der Renaissance-Garten in Italien geprägt wurde, so ist Frankreich das Entstehungsland des Barock-Gartens, in dem im 17. Jahrhundert der Renaissance-Garten eine Weiterentwicklung findet. Der besonders in Frankreich sich entfaltende Rationalismus vertrat die Auffassung, die Welt unterliege in all ihren Erscheinungsformen Gesetzmäßigkeiten, die es mit der menschlichen Vernunft zu entschlüsseln gelte, und begünstigte damit eine Haltung, die Natur als etwas zu Unterwerfendes und zu Domestizierendes begreift und folglich im Garten das vom Menschen Konstruierte, gewissermaßen Widernatürliche favorisiert. Die daraus folgende Geometrisierung der Natur zeigt sich z.B. in beschnittenen Palisaden, zurechtgestutzten Alleen, Topiaria usw., aber auch in der Nutzung ursprünglich architektonischer Formen in der Gartengestaltung (z.B. Salle, Exedra). Die Beherrschung der Natur wurde geistesgeschichtlich nicht nur durch den Rationalismus gefördert, sondern auch der (wiederum in Frankreich besonders ausgeprägte) Absolutismus legte eine solche Haltung insofern nahe, als eine beherrschte Natur eben auch Herrschaft symbolisiert und von der Omnipotenz des Herrschers kündet und dessen Macht demonstriert und legitimiert. Ausgangspunkt barocker Gartenanlagen ist daher der Herrschaftssitz in Form des Schlosses o.ä., auf den die Weg- und Blickachsen bezogen sind und der den Bezugspunkt für ein übergeordnetes Gliederungssystem bildet. Dieses Gliederungssystem ist (idealtypisch) durch strenge Symmetrie (u.a. Hauptachse als Symmetrieachse) und durch die Abfolge Schloss - Parterre - Bosquet - Bosco gekennzeichnet. Die genannten Gartenbereiche weisen verschiedene Merkmale auf: das Parterre ist ein Parterre de broderie, in den Bosketts liegen üppig ausgestaltete Cabinets, und Alleen, die das Motiv des Patte d'oie oder des Etoile aufnehmen, gliedern den Bosco-Bereich. Wasserkanäle und Bassins liegen zumeist in den Hauptachsen des Gartens. Die Gartenplastik folgt zumeist allegorischen Skulpturenprogrammen, die auf eine Apotheose des Herrschers abzielen. Im Rokoko, dem Spät-Barock, wird, dem insgesamt verspielteren, heitereren und intimeren Charakter der Zeit folgend, die Formensprache etwas gemildert. Zwar bleiben die Grundmerkmale der barocken Gartengestaltung erhalten, doch die Sehnsucht nach Intimität und Idylle führt zur Erosion des Pathos, zu einer Schwerpunktverlagerung: Cabinet statt Zentralachse, der Garten als Kulisse für Blinde-Kuh-Spiele statt für pompöse Machtaufzüge.
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